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- H I L F L O S -

Es ist grausam und kostet mich unendlich viel Kraft und Überwindung meine Kinder jeden zweiten Sonntag wieder zu ihrem Vater bringen zu müssen.

 

Als ich am 05.07.08 etwas früher aus der Therapie nach Hause fuhr, tat ich dies als Geburtstagsgeschenk für meinen Sohn. Er wurde 10 Jahre alt.

Ich war hochmotiviert. War mir sicher, jetzt würden wir endlich glücklich in unserer kleinen Familie leben können. Es war so schön Tim und Lina wieder täglich um mich zu haben.

Doch dieses Glück dauerte nicht lang. Alles lief schief. Eigendlich war ich noch krank geschrieben damit ich und meine Süßen geneug Zeit hätten in Ruhe wieder das "normale" Leben auf die reihe zu bekommen. Als nach sechs Wochen aber noch immer kein Geld von der Krankenkasse kam ging ich persönlich hin - damit es schneller ging. Sämtliche finanziellen Reserven hatten wir mitlerweile aufgebraucht und es wurde allmählich richtig eng.

Die Krankenkasse weigerte sich zu zahlen, da ich " arbeitsfähig" aus der Reha entlassen worden war. Auch sämtliche Bemühungen meines Arztes blieben erfolglos. Auf dem Arbeitsamt sagte man mir, wenn wir wirklich so dringend Geld bräuchten, müsse ich zur Arge. Das tat ich.

Bis das erste Geld überwiesen wurde, wurde mir mit einer Räumungsklage gedroht, ich musste uns durchschnorren - bei Freunden - konnte die Kinder kaum noch zur Schule bringen. Das übernahm völlig unerwartet der Vater der Kinder. Jahrelang hatte er sich kaum gekümmert - auf einmal war er da. Nach dem er sie den zweiten Tag zur Schule gebracht hatte rief er Mittags an und sagte er würde die Kinder später bringen, er wolle mit den Beiden noch Schuhe kaufen gehen. Als er Abends kam, kam er ohne Kinder. Die würden ab sofort bei ihm leben - ich könne ja nicht mal die Grundversorgung der Beiden garantieren. Alles sei mit dem Jugendamt abgesprochen und da hätten wir morgen früh einen Termin.

Ich brach völlig zusammen.

Das war am 19.09.08. .

Alles wofür ich gekämpft hatte, alle Träume, Hoffnungen, Ziele - alles weg.

Leben würde ich das nicht nennen was ich seither tu. Ich mag mich auch jetzt noch nicht wieder an alles haarklein erinnern.

fakt ist, das mein Ex versucht hat sowohl das alleinige Sorgerecht als auch das Aufenthaltsbestimmungsrecht zu bekommen - hat er nicht. Obwohl das gericht sich lediglich auf einen Vergleich eingelassen hat, in dem ich quasi zustimmte - ich hatte NIE eine Wahl - das meine Kinder bei ihm leben sollten; war das was ich fühlte als die Richterin das Urteil verkündete um ein unendlichfaches heftiger; als das was ich am 19. empfunden hatte.

Jetzt hatte ich es schwarz auf weiß. Meine Kinder waren weg. Meine kleine Familie gab es nicht mehr. Wir hatten schon so viele Höhen und Tiefen erlebt und gemeinsam durchgestanden, ich hatte so gekämpft, mich so bemüht - alles weg. Aus und vorbei. Alles nichts wert gewesen. Ich hatte als Mutter und als Mensch - in diesem Augenblick - völlig versagt. Irgendwann während der Verhandlung fingen die Tränen an unaufhaltsam zu laufen. Die ganze Zeit. Auf den Stufen des Gerichts setzte ich mich und schlurzte. Es müssen sehr viele Menschen an mir vorbei gegangen sein. Es war Mittags und das Gericht ist mitten in der Fußgängerzone. Es dauerte eine halbe Ewigkeit bis ich zumindest halbwegs in der Lage war mit dem Fahrad nach Hause zu können. Ich muss total beschränkt ausgesehen haben wie ich da auf den Stufen, schluchzend mit weit aufgerissenen Augen und völlig verständnisslos, saß. Ich verstand es nicht. Alles sah so "normal" aus.

Dabei hatte meine Erde aufgehört sich zu drehen.

Seit dem Tag hat sich Alles verändert. Kontinuität dauerte bei mir eh meist nur vier bis sechs Jahre. Jetzt bin ich froh wenn ich einen Tag schaffe an dem ich abends noch von dem Selben überzeugt bin wie morgens.

Meine Kinder schienen sich in der neuen Situation wohl zu fühlen. Es schien ihnen gut zu gehen. Die beiden Mäuse genossen es irgendwie in einer "richtigen" Familie zu leben und ständig Spielkammeraden um sich zu haben. Die langjährige Freundin meines Ex mit ihren zwei Kindern. Auch Junge und Mädchen und ungefähr in dem Alter meiner Mäuse. Ende des Jahres sollte ein Haus bezogen werden. Gemeinsam. Denn die Wege dieser "richtigen" Familie trennt sich abends und meine Kinder gehen zum Schlafen in die zwei Zimmerwohnung meines Ex.

Die erste Zeit wohnte ich noch in der Wohnung die meine Kinder und ich erst Anfang 2008 bezogen hatten - es sollte unser ganz besonderes Zuhause werden. Doch ich ertrug es nicht wirklich. Ich beschloss mit meinem Freund - wir hatten uns in der Therapie kennen gelernt - in seiner Heimatstadt zusammen zu ziehen. Zwischen meinen Kindern und mir liegen rund 50 km. Obwohl ich mich weder in der Wohnung noch in dem Ort wohlfühlte an dem ich zusammen mit meinen Kindern gelebt hatte, schwankte ich fast täglich. Ich musste quasi weg - konnte und wollte aber nicht wirklich. Es kam mir vor als würde ich meine Kinder verraten und sie im Stich lassen. Als würde ich aufgeben. Ich ertrug den Gedanken nicht, sie könnten evtl. denken es würde mir leicht fallen von ihnen weg zu ziehen, oder gar das ich ein Leben ohne sie genießen könnte.

Seit dem Tag bin ich mir NICHTS mehr sicher. Ich traue weder meinen Gefühlen, noch sonst irgendetwas an und in mir. Ich war mir so sicher das alles gut werden würde nach der Therapie - so unendlich sicher! Und Nichts was ich tat oder sagte, glaubte oder fühlte hat ausgereicht meine kleine Familie zu erhalten und zu retten. Warum sollte irgendetwas je wieder klappen? Ich hatte die größte Motivation - und trotzdem hat nichts gereicht, war gut genug.

Meine Kinder haben sich verändert. Sie lachen und sprechen kaum noch. Erzählen mir Dinge die sie erleben, da zieht sich bei mir alles zusammen. Sie sind total verzweifelt wenn ich sie wieder weg bringen muss. So oft sagen sie das sie wieder bei mir leben möchten.

Ich habe mich an unsere Betreuerin vom Jugendamt gewannt. Sie hatte mir versprochen sich um meine Kinder zu kümmern. Ausführlich schrieb ich ihr wie es meinen Kindern geht und wie die Situation ist in der sie jetzt leben müssen.

Schon am nächsten Tag erhielt ich eine Antwort. Sie würde sich kümmern und mit den Kindern so sprechen das weder ihr Vater noch seine Freundin etwas mitbekämen. Sie würde auch bei ihm nachschauen. Er solle sich nicht allzu sicher sein - denn so schnell wie er die Kinder gehabt habe, könne er sie auch wieder verlieren.

Das ist zwei Wochen her. Nichts ist passiert. Meine Kinder leiden noch immer. Und ich muss sie gegen meinen Willen und wieder besseren Wissens jeden verdammten zweiten Sonntag wieder an einen Ort bringen an dem sie leiden und an dem sie nicht sein wollen.

Es ist unendlich schwer - nein unerträglich für mich das zu tun und zwei Wochen lang irgendwie auszuhalten.

Morgen werde ich der Dame vom Jugendamt wieder schreiben.

Und jeden weiteren Tag. Bis sie sich endlich kümmert.

HILFLOS - genauso fühle ich mich. Alles in mir schreit danach meinen Kindern zu helfen. Ich möchte sie endlich in meine Arme nehmen dürfen um ihnen zu sagen, und sie spüren zu lassen, jetzt - jetzt endlich wird Alles wieder gut.

 

 

 

 
9.2.09 18:29
 


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